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  • Brace for Impact!!

    : Gesellschaft | David Plaz | 8. November 2009
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    «Microsoft Word hat ein Problem erkannt und muss geschlossen werden…» Nicht nur Microsoft Word stürzt immer wieder ab, auch Flugzeuge, Wertpapiere und Hoffnungen. Kann man sich denn davor nicht schützen?

    Wer an Absturz denkt, dem kommen heute zweifellos Bilder vom Hudson River in den Kopf, vom verzweifelten Wall-Street Händler, vom bankrotten Gemüsetürken um die Ecke. Das Wort Absturz, das Wort Krise ist in aller Munde. Aber auch Aufstieg. Sie füllen unsere Tagespresse, die gute wie die schlechte. Krisengejaule. Hoffnungsschimmer. Überall Weltuntergangsstimmung und Hoffen auf die Zukunft. Sloterdijk bemüht die Balance zwischen Smith und Marx, Keynes hat Hochkonjunktur, Bilder von fallierenden osteuropäischen Staaten machten Anfang Jahr die Runde.

    Und hier hocken wir. Zwischen 20 und 30, und träumen von einem besseren Morgen. So haben wir uns das alles irgendwie nicht vorgestellt, oder? Scheisse, denkt man sich, es ist unfair. Wieso gerade wir. Nach 60 Jahren Frieden, 80 Jahre nach dem Schwarzen Freitag und Jahrhunderte nach der Tulpenkrise.

    Lernen wir eigentlich nie? Wir, hey, wir!! Wir, der Westen!

    Wir wissen doch so viel. Wissen, was zu einem Flugzeugabsturz führt, zum Beispiel. Eine nette Analogie übrigens. Man nennt menschliche Fehler, technisches Versagen, Witterung, Thermik, Vogelschlag und höhere Gewalt. Faktoren, die man einschätzen kann. So werden Vögel an Flughäfen mit modernster Technik vertrieben, es helfen Wetterdienste auf dem ganzen Erdenrund, die Ausbildung zum Verkehrspiloten ist lang, intensiv und auf höchstem Niveau; unsere Flugzeuge ausgereift und getestet wie nie. Mit Backups sogar. Die Sitzreihe 13 haben gar einige Fluggesellschaften aus ihren Carriern entfernt.

    Trotzdem kracht’s. Und oft kracht’s relativ fatal. Und niemand weiss wieso. Air France Flug 447 ist so ein Beispiel. Aber auch hier ist die Analogie zur Krise schon wieder offensichtlich: Es geht ja schon wieder aufwärts. Auch wenn niemand so recht erklären kann, wie’s dazu gekommen ist. Zum Absturz wie zum Aufstieg. Beim Flug könnte es ein Gewitter und ein fehlerhafter Geschwindigkeitsmesser gewesen sein. Bei der Krise waren’s wohl die amerikanischen Häusle-Bauer, die ihre Kredite nicht so zahlen wollten, wie das die Wertpapierverpacker sich dachten. Aber jährlich weist allein der Flughafen Zürich mehr als eine Viertelmillion Flugbewegungen auf. Die grossen Aktienindices der Welt haben ebenfalls gut avanciert seit ihrem Tiefstand im März 2008: Indonesien gar um mehr als 100%.

    Man fragt sich, warum der ganze Hype. Es scheint ja eine gewisse Bewegung zum Durchschnitt zu geben. Mal kracht’s nach oben, dann nach unten, und das Resultat ist irgendwie eine Durchschnittsspanne, die wir für das akzeptable Mass der Dinge halten. Es geht allerdings auch anders.

    Vor Abstürzen kann man sich schützen

    Ökonomen reden vom Schwarzen Schwan, Flugzeugexperten von der Schutzhaltung. Das Thema kann so absurd nicht sein: die alte, neue Tante NZZ am Sonntag hat dem Thema im April 2009 sogar einen Leitartikel gewidmet (just dann, als der Verfasser selbst in einem Flugzeug sass). Wichtig ist, den Absturz durch Schutzhaltung zu überleben und das Flugzeug so schnell als möglich zu verlassen, um nicht an giftigen Gasen, Feuer oder Ertrinken zu sterben. Im Vielfliegerforum.de gibt es zu diesem Thema darüber hinaus erhitzte Diskussionen, die sich für Leute mit Flugangst nicht empfehlen, für alle anderen aber schon.

    Was uns wieder zum Brückenschlag bringt: Wer Angst vor dem Monster der Finanzmärkte hat, sollte es lieber lassen oder mit seinem Geld zum Spezialisten gehen. Wer keine Angst hat, sollte Respekt haben: und sich informieren. Wer sich informiert, wird feststellen, dass Regulierung und Kontrolle Abstürze nicht verhindern. Black Boxes als Flugschreiber wurden in den 50ern gegen den heftigen Protest von Flugzeugführern eingeführt, um die Ursachen von Abstürzen näher zu ergründen. Abgestürzt wird noch heute. Analog dazu Wall Street: Schreie nach neuen Regularien, quartalsweise Berichterstattung, Vorstandsvergütungsveröffentlichung (ein unglaublich deutsches Wort) und weiteres haben noch keinen einzigen Absturz verhindert, im Gegenteil: sie provozieren sogar neue. So hat die Veröffentlichung von Management Compensations nicht dazu geführt, dass die Aktionäre mehr Einfluss auf die Vergütung des Firmenkaders nehmen konnten. Als unerwünschte Nebenwirkung gibt es ein race to the top: die Exekutive A schaut nach, was B zahlt, und wenn A<B, dann wird der Verwaltungsrat schon dafür sorgen, dass in nicht allzu ferner Zukunft A>B. Cui bono?

    Eben. Aber das wäre genau der Sinn von Regulation. Das, was der Markt nicht kann, sollte reguliert werden. Was passiert dann aber mit der Devise: we live in a second-best world? Was, wenn das was der Markt nicht kann, noch besser ist, als was von 4-Jahres-Zyklen getriebene Politiker der steinbrückschen Ignoranz, der brownschen Hilflosigkeit und des Geithnerschen Gutmenschengetue vorantreiben? Was, wenn wir feststellen müssen, dass sich die Rettungsaktionen der US-Regierung als profitables Milliardengeschäft erweisen? Die Aktienkurse der Banken haben dieses Jahr ein beispielloses Rallye hingelegt. Was, wenn der ehrliche Unternehmer der Dumme ist, weil der Staat die falschen Anreize setzt und die bevorzugt, die einen auf too big to fail machen? Welche langfristigen Aspekte hat diese Krise, und welche negativen Folgen wird sie bedingen?

    Absturz? Mit Sicherheit. In welcher Form, in welchem Ausmass und aus welchem Grund ist heute noch nicht klar. Die Spekulationen jedenfalls reichen weit. Vielleicht ist es der explodierende Ölpreis, vielleicht ein Kampf der Kulturen, vielleicht der Rentenschock. Wir wissen es nicht vorher, aber nachher wussten wir es besser. Brace for Impact!

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