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    Wenn ich meinen Gspöndli aus dem Ethnologiestudium erzähle, dass ich nebenbei auf dem Steueramt arbeite, dann reicht die Palette der Gesichtsausdrücke von schockiert bis zu mitleidig. Die ganz Kritischen entrüsten sich darüber, dass eine aus ihrem Kreise dem System bei der Ausbeutung unter die Arme greift. Den Anderen tut es einfach leid, dass ich es nicht geschafft habe, bei einer NGO oder zumindest beim Bundesamt für Migration unterzukommen. Dabei bietet die Dienstabteilung Bundessteuer das ideale Feld für ethnologische Studien. Da hätten wir zunächst die italienischen Secondos, deren Identitätskonflikt sich in einem inkonsistenten Sprachgebrauch ausdrückt: «Ciao Toni come stai du gömmer zäme id Pause alle nove isch guet ci sentiamo no gäll ich schuld dr no quaranta stutz ich gibs dr la prossima settimana». Wie komplex die Situation im Einwanderungsland Schweiz ist, zeigt sich bei Diskussionen um die zu begleichende Steuerrechnung. Da empört sich schon mal der Italiener, dass die neuen Ausländer (d.h. die Albaner) alle keine Steuern zahlen würden und stattdessen grundsätzlich Sozialhilfe beziehen. Dass die Afrikaner ein anderes Verständnis von staatlicher Herrschaft haben als wir Schweizer, ist mir seit dem Proseminar «Akephale Gesellschaften in der Nordwestsahara II» theoretisch bewusst. Einem soeben in der Schweiz eingereisten Herrn aus Djibouti zu erklären, warum er genau die Bundessteuer zu bezahlen hat, gibt dem Ganzen aber erst die praktische Würze. Und mir das gute Gefühl, dass Ethnostudis nicht nur bei NGOs gebraucht werden.

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