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  • Vereinsporträt: z&h – zu heftig

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    «z&h» bietet homo- und bisexuellen Studierenden an der ETH und Universität Zürich vielseitige Aktivitäten und eine Plattform, um sich kennenzulernen. Wir haben unsere heterosexuellste Autorin zum Vereinsportrait hingeschickt.

    Ob homo-, bi- oder heterosexuell: Ich behandle alle Männer erstmal gleich. Das liegt leider nicht daran, dass ich so wahnsinnig tolerant wäre. Ich bemerke den Unterschied schlicht und einfach nicht – oder viel zu spät. Beispielsweise arbeitete ich einmal mit einem Amerikaner zusammen, der offensichtlich schwul war. Zumindest war das für alle anderen offensichtlich. Das folgende Gespräch erleuchtete dann auch meine Wenigkeit… In seinem lässigen amerikanischen Akzent erzählte er mir voller Freude: «Meine Partner Manuel und ich war’n gestern bei diese Konzert von Madonna. War so geil!» Ich – typisch Schweizerin – fühlte mich sprachlich natürlich total überlegen und antworte lachend: «If you say partner, it means boyfriend!» Den Rest könnt ihr euch ja denken…

    Da sitzt er mir nun gegenüber, Mark Jost, der Präsident des Vereins z&h für homo- und bisexuelle Studenten an der Universität und der ETH Zürich. Und da er keines der Klischees bedient, also weder ein rosa Hemd noch plüschene Cowboystiefel trägt, würde ich nie darauf kommen, dass er schwul ist. Aber dieses Mal habe ich einen kleinen Vorteil auf meiner Seite: Ich habe schon eine Ahnung, dass er nicht heterosexuell ist!

    Die Mehrheit ist nun einmal heterosexuell – und das wird sich auch nicht ändern.

    Jost ist seit 2000 im Verein z&h dabei und engagiert sich seit sieben Jahren aktiv im Vorstand. z&h gehört zu den bekanntesten Vereinen an den Hochschulen. Dafür dürfte unter anderem die Werbung über die Uniboards und die Mailingslisten der ETH und der Uni verantwortlich sein. Rund 200 Studenten werden regelmässig über die neuesten Aktivitäten und Anlässe des Vereins per E-Mail informiert und etwa 80 Studenten sind als aktive Mitglieder eingetragen. Mittlerweile versucht man auch die Fachhochschulen im Raum Zürich anzusprechen, um den Bekanntheitsgrad des Vereins noch zu vergrössern. z&h besteht seit 1989, feiert also dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum und kann schon auf eine lange Tradition zurückblicken.

    z&h soll eine Plattform für homo- und bisexuelle Studenten an der Uni und der ETH sein, die die Möglichkeit bietet sich unverbindlich treffen und kennenlernen zu können. Man muss sich nicht erklären oder rechtfertigen, das macht Vieles schon einmal leichter. Die Vereinsanlässe zeichnen sich durch eine lockere Atmosphäre aus. Die Stimmung ist entspannt und es ist einfach und unkompliziert, neue Kontakte zu knüpfen. Eine echte Alternative zu Internetforen oder Chatrooms, auf die Schwule früher oft ausweichen mussten, um Gleichgesinnte zu finden. Jeder ist willkommen und es ist einfach, neue Leute kennen zu lernen. Alteingesessene und unbekannte Gesichter mischen sich schnell beim Gespräch über das Studium, Ferien oder Hobbies. Eine Dating-Börse sei ihr Verein aber nicht, meint Jost. Jedenfalls nicht mehr als jeder andere Verein auch.

    Wer z&h noch nicht kennt und einmal vorbeischauen möchte, kann aus einem breiten Angebot an Aktivitäten wählen. Besonders gut für ein erstes Kennenlernen eignet sich das Abendessen, welches etwa einmal im Monat stattfindet. Dort finden sich jeweils um die 30 Studenten zum gemütlichen Zusammensein ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, also kann man auch ganz spontan vorbeigehen. Wer gerne selbst einmal den Kochlöffel schwingen möchte, ist natürlich ebenso willkommen. Daneben gibt es aber auch noch Kulturanlässe wie beispielsweise einen Filmabend, oder man trifft sich gemeinsam zum Spielen und versucht sein Glück beim Pokern. Bei den Szenetouren, in denen verschiedene Clubs oder Bars abgeklappert werden, geht es dann dank erhöhtem Alkoholpegel etwas lauter zu. Wie man sieht, ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.

    z&h war ursprünglich bekannt unter dem Namen «zart&heftig». Die Umbenennung hat den Verein einiges Kopfzerbrechen und manche Diskussionen gekostet. Man hat sich aber schliesslich für die Abkürzung z&h entschieden, weil sie sich unter den Studierenden bereits etabliert hatte und man potentielle neue Mitglieder nicht abschrecken wollte. Vielen sei der Name «zart&heftig» dann eben doch zu heftig gewesen, erklärt Jost. Der Name habe früher sicher seine Berechtigung gehabt, es ging damals noch mehr um Provokation und Aufmerksamkeit. Aber mittlerweile gebe es diesen Kampf um Anerkennung nicht mehr und die neue Bezeichnung des Vereins werde von der grossen Mehrheit unterstützt. Heute gehe es mehr um die Sichtbarkeit und die Präsenz. Möglichst alle (schwulen und bisexuellen) Studenten sollen wissen, dass es den Verein gibt. Just in case.

    Die Stimmung an den Hochschulen hat sich verändert, die Uni und ETH sind lockerer und toleranter gegenüber Homo- und Bisexuellen geworden. Die Beziehungen zu den Institutionen sind gut. Mit offensichtlichen Diskriminierungen hätten sie kaum mehr zu kämpfen. Sehr selten gäbe es wirklich heftige und negative Reaktionen, wenn E-Mails an alle Studenten im Verteiler der Uni und ETH geschickt würden. Aber abgesehen von diesen Ausnahmen sei eine breite Akzeptanz zu spüren.

    Viele Schwule wollen gar kein offizielles Outing. Heterosexuelle rennen ja auch nicht herum und erzählen jedem, dass sie hetero sind.

    Laut Jost hat man es heute nicht generell schwieriger als Schwuler. Es ist kein riesiges Unglück mehr, aber es ist immer noch Vielen bewusst, dass man auch jetzt noch auf einen gewissen Widerstand stossen könne, was manchen Probleme bereite. Es gäbe zahlreiche Situationen in denen man sich outen müsse. Die jüngere Generation lehne sich teilweise auch stark dagegen auf. Schliesslich rennen heterosexuelle Männer auch nicht herum, um aller Welt mitzuteilen, dass sie «übrigens» hetero sind. Es herrscht immer noch eine gewisse Diskrepanz zwischen der öffentlich geäusserten Toleranz und der konkreten, persönlichen Realität, verrät Jost. Wahrscheinlich würde sich heute kaum ein Student trauen, Homo- oder Bisexuelle als krank zu bezeichnen. Aber wenn man eine schriftliche Umfrage starten würde, ob diese ihre eigenen Umkleidekabinen bekommen sollten, würde das Ergebnis vielleicht weniger freundlich ausfallen. Wenn zwei Männer Händchen haltend durch den Lichthof schlendern, wird es immer noch dumme Kommentare geben. Es ist zwar akzeptiert, aber immer noch nicht «normal» genug. Deshalb braucht es den Verein auch immer noch. Das Ziel wäre eigentlich, dass man sich in einer Vorlesung neben einen Mitstudenten setzen und ihn einfach mal fragen könnte, ob er heute Abend schon etwas vorhat. Ohne dass man Angst haben muss. Aber davon seien wir trotz allen Fortschritten noch meilenweit entfernt. Es helfe jedoch, wenn sich mehr und mehr Leute zeigen und selbstverständlich damit umgehen.

    Die Mehrheit sei nun einmal heterosexuell und das werde sich auch nicht ändern. Damit müsse man sich arrangieren. Das kann immer noch schwierig sein, gerade auch im Kollegenkreis. Da merkt man manchmal schon noch, dass gewisse traditionelle Vorstellungen immer noch in den Köpfen herumschwirren, meint Jost. Nur weil man schwul ist, springt man ja nicht gleich jeden an – und überhaupt, nur weil man mal mit den Kollegen gewichst hat, heisst das noch lange nicht, dass man schwul ist. Nun ja… Als Frau kann ich das schlecht beurteilen, aber ich denk mir einfach: Männer! Irgendwie sind sie ja dann doch alle gleich! Ich mach’s mir auf jeden Fall doch lieber alleine.

    Zur Information aller an «political correctness» Interessierten und anderen, die sich an der Bezeichnung «Schwule» beziehungsweise «schwul» stossen, sei angemerkt, dass ich die inoffizielle Erlaubnis vom Präsidenten von z&h erhalten habe, den Ausdruck zu verwenden und er nicht den Eindruck hervorruft, dass ich wahllos auf den Gefühlen betroffener Personen herumtrample.

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