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  • Suchst Du noch oder hilfst Du schon?

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    Einst war Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, heute verspricht das Internet dasselbe – und das erst noch ohne biometrischen Pass! Ob man etwas über den aktuellen Kurs des Euros, die innenpolitische Lage Belgiens oder zweiundzwanzig kreative Wege Grünkohl zu verarbeiten wissen möchte, das Internet bietet alle möglichen und unmöglichen Informationen. Man muss nur wissen, wie man sie findet. Statt diese Informationen mittels einer Suchmaschine zu «suchen», wird heute ganz einfach «gegoogelt». Das geht manchmal so weit, dass der Inhalt des Internets auf diese eine Suchmaschine beschränkt wird. Was bei Google nicht zu finden ist, existiert im Netz schlicht und einfach nicht. So oder so ähnlich scheinen viele zu denken. Dabei geht häufig vergessen, dass es neben dem Giganten noch andere Suchmaschinen gibt. Und manche dieser Alternativen könnten auch diejenigen interessieren, die das drohende Google-Monopol oder die Big-Brother-Paranoia kalt lassen. Dass mit Werbung im Internet viel Geld verdient wird (der Sektor bringt jedes Jahr mehrere Milliarden US Dollar ein) haben neben Firmen und Privatpersonen mittlerweile auch mehr und mehr Hilfswerke bemerkt und machen sich dies zu Nutze. Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Mit rasender Geschwindigkeit entwickeln sich neue Ideen und Projekte. Dabei geht es nicht nur um die Möglichkeit, das erfolgreiche Aussetzen eines im dafür eigens entwickelten Zentrum aufgepäppelten Riesenwombats in die freie Wildbahn per Live-Streaming mitzuverfolgen oder das Schulgeld für sein Patenkind in Guatemala bequem und zu jeder Tages- oder Nachtzeit per PayPal bezahlen zu können. So niedlich Riesenwombats und Patenkinder auch sein mögen – wer hat schon das Geld dafür? Als Studenten können wir ja kaum die eigene Ausbildung finanzieren und kuschlige Hausstaubmilben oder aussergewöhnlich treue Kopfläuse sind bislang die einzigen Tiere, denen wir eine gute Lebensgrundlage bieten könnten. Was aber tun, wenn uns das Schicksal des Riesenwombats trotz knapper Kasse am Herzen liegt?

    Helfen ohne jeglichen Aufwand

    Das Prinzip der virtuellen Solidarität ist bestechend einfach: Sammle Geld für wohltätige Organisationen – ohne auch nur einen Rappen auszugeben! Je mehr diese Seiten genutzt werden, desto mehr Geld steht den Organisationen zur Verfügung. Und das Beste daran: Dies ist mit keinerlei Aufwand verbunden. Man tut einfach weiterhin, was man sowieso schon tut – und hilft dadurch! Indem gewisse alltägliche Gesten der Internetnutzer geringfügig verändert werden kommen beachtliche Spendensummen zusammen. Mit Slogans wie «You search – We give» (Goodsearch.com) oder «Doonez sans dépenser» (Doona.fr) fasst diese neue Generation der Suchmaschinen ihre Tätigkeit in wenigen Worten zusammen. Statt seine ehemaligen Schulkollegen also weiterhin mit Google zu stalken, kann man seinen düsteren Gelüsten jetzt mittels einer sozialen Suchmaschine nachgehen und dabei helfen, die Riesenwombats vor dem Aussterben zu bewahren. Teilweise mit haarsträubenden Ergebnissen. Nun stellt sich eigentlich nur noch die Qual der Wahl, denn das Aus-suchen «seiner» Suchmaschine kann beim mittlerweile vielseitigen Angebot schwierig werden. Bei den von mir untersuchten Projekten scheinen zwei unterschiedliche Modelle vorzuherrschen: Goodsearch und Veosearch lassen den Organisationen jeweils fünfzig Prozent der Werbeeinnahmen zukommen, während bei Doona und Ripple der gesamte Gewinn an die Hilfswerke geht.

    In Zukunft wird nur noch gerippelt

    Veosearch, das 2007 in Frankreich gegründet wurde, konnte bis heute bereits insgesamt über 100’000 Euro an die über 900 angemeldeten Organisationen verteilen. Man kann sein eigenes Benutzerkonto kreieren und danach diejenigen Aktion aus der ausgiebigen Liste der Organisationen aussuchen und unterstützen, die man möchte. Durch diese Funktion hebt sich Veoserach von seinen Konkurrenten ab, bei denen man meistens nicht aussuchen kann, wohin das Geld schlussendlich geht. Die Zusammenarbeit mit Yahoo sichert qualitativ und quantitativ überzeugende Rechercheergebnisse. Neben Bildern können auch Videos gesucht oder Reisen gebucht werden, ausserdem verfügt das Portal über einen eigenen Blog in dem die Mitglieder über neue Ereignisse und Projekte informieren. Wer auf die Suchergebnisse von Google dennoch nicht verzichten möchte, kann sich auf Ripple.org verlassen, dessen Team es gelungen ist, weiterhin mit dem Giganten zusammenzuarbeiten. Die Idee für die Seite schwirrte bereits seit einigen Jahren in den Köpfen der vier australischen Freunde und ehemaligen Studenten herum, konnte aber aufgrund einiger Probleme erst 2007 verwirklicht werden. Da die gesamten Beiträge an die Organisationen, welche auf nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit statt Entwicklungshilfe setzen, verteilt werden, bleibt bei Ripple nichts für grossartige Werbekampagnen übrig. Trotzdem hat Ripple mittlerweile durchschnittlich zwischen 4000 und 5000 Besucher pro Tag. Vorläufig kommen diese vor allem aus den Vereinigten Staaten und Australien, aber mit etwas Glück überholen wir die noch vor Jahresende. Das Benutzerprofil von Ripple entspricht nämlich ziemlich genau demjenigen unserer Leser: jung, hip und blitzgescheit. Eine Suche generiert in etwa einen Spendenbeitrag zwischen 0.01 und 0.20 AUD an die vier unterstützten Organisationen. Das Portal lebt nach wie vor von der ehrenamtlichen Arbeit der Gründer, welche mittlerweile zwar auf der ganzen Welt verteilt leben, aber immer noch völlig hinter ihrem Projekt stehen und die Besucher mittels eines höchst unterhaltsamen Blog auf dem Laufenden halten. Kurz und gut: Tolle Sache! Da sieht man mal, was man während und nach seinem Studium sonst noch so alles anstellen kann. Ich werde in Zukunft jedenfalls nur noch rippeln.

    Okay, ich gebe ja zu, dass ich parteiisch bin. Aber nur weil ich Schweizerin bin, heisst das ja noch lange nicht, dass ich immer und überall neutral sein muss. Vielleicht liegt es daran, dass die Jungs von Ripple auf meine Kontaktaufnahme mit «Das ist zugleich das lustigste und längste Mail, dass wir hier je bekommen haben!» geantwortet haben. Bei dem Charme sind teure Marketingspezialisten schlicht und einfach überflüssig. In dem Sinne: Rip Rip Hurra, die Riesenwombats sind gerettet!

    Doona, Veosearch, Goodsearch, Ripple

Ein Kommentar zu diesem Artikel:
  1. [...] Sie Deutsch?? Well if so, check out this article over at Stattluft which mentioned Ripple search! Big thanks to Evelin Meierhofer who wrote the [...]

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